Viva La Espana
- projektlt28
- 29. März 2022
- 3 Min. Lesezeit

Nach wunderschönen Tagen im französischen Teil der Pyrenäen haben wir uns für den Grenzübertritt bei Canfranc entschieden. Der Weg dorthin war bereits eine Pracht. Von holprigen Straßen durch Wälder ging es durch immer dichter werdende Schluchten durch das Tal von Aspe, vorbei an der alten Festungsanlage Fort Portale (dieses war leider geschlossen) und dann durch den Tunnel in Richtung Canfranc. Die französischen Grenzschützer belächelten uns etwas, als unser LT mit ca. 50 km/h bergauf an ihnen vorbeigedonnert ist. Dort gibt es einen prachtvollen Bahnhof, der als Station für den Umstieg für Zugpassagiere aus Frankreich und Spanien gebaut wurde. Er war für die letzten 40 Jahre ein Lost-Place, aktuell wir er allerdings zum Hotel umgebaut. Schade für uns, doch wer in sich in diesem Ort genauer umschaut merkt schnell, dass die Einwohner hier einschließlich vom Skitourismus leben. Nachdem wir viele weitere Skiorte mit Riesen Hotelanlagen passiert hatten, sind wir einer wunderschönen, jedoch holprigen Route gefolgt, die uns die Worte "weitläufig" und "abgeschieden" neu definiert hat. Die Aussicht war sensationell, die Landschaft wurde immer offener und weitläufiger und einsamer. Da man in Spanien auf Parkplätzen auch übernachten darf, wollten wir uns am Stausee Embale de Yesa einen Parkplatz direkt am Wasser ansteuern, dieser war allerdings überflutet. Wir haben dann allerdings unterwegs ein verlassenes Örtchen namens Esco gefunden, davor ein Parkplatz mit spektakulärer Zufahrt. Eddy war direkt im Paradies. Hunderte angespülte Äste, ein sehr flacher Zugang zum kühlen Süßwasser des Sees, was könnte sich ein Labrador mehr wünschen. Auch 4 weitere Camper haben sich mit ihren Wohnmobilen durch die ausgewaschene Zufahrt getraut und sich dazugesellt. Dank der großen, beinahe geraden Flächen konnte man auch schöne Abstände einhalten, nicht wie auf den üblichen Stellplätzen. Viele hatten selbst Hunde dabei, für Eddy's Unterhaltung war also doppelt gesorgt. Nach einer unglaublich ruhigen Übernachtung (dank der Abgeschiedenheit war es draußen Stockdunkel und unglaublich ruhig) haben wir uns dann morgens in das Dorf Esco aufgemacht. Ein defintiv sehenswerter Lost-Place! Das Dörfchen wurde 1960 aufgegeben da es im Überflutungsgebiet des Yesa Speichersees liegt. Doch abgerissen wurde nichts, die Häuser wurden leergeräumt und sich selbst überlassen. Viele sind mittlerweile verfallen, aber dennoch begehbar. Ein Traum für jeden Fotografen. Tim hat sich sogar bis in den Kirchturm vorgewagt, oben war allerdings der Zwischenboden derart morsch, dass kein vorankommen mehr möglich war. Nachdem wir ausgiebig die Landschaft und das Dorf erkundet hatten, sind wir weiter in Richtung Navarra Bardenas Reales aufgebrochen.
Unsere Abenteuerlust war geweckt worden, was passt da besser als eine Halbwüste, die sogar mit dem eigenen Fahrzeug befahrbar ist!
Da es allerdings bei Ankunft schon recht spät war, entschieden wir uns für eine Übernachtung in Arguedas. Der Stellplatz (übrigens wie die meisten in Spanien kostenlos) liegt direkt vor den Cuevas de Arguedas. In diesen Höhlen haben bis in die 70er noch Menschen gewohnt, diese sind kostenlos zu besichtigen. In einigen sind sogar noch die Herdplatten und Kochstellen eingebaut. Möbel und Fenster rein und man könnte direkt wieder drin wohnen. Ein älterer Spanischer Herr gab uns zu verstehen, dass es dort wunderbar zum schlafen wäre. Nach der Erkundung der Höhlen, wollten wir etwas in Arguedas essen gehen. Völlig vergessen hatten wir natürlich Spanische Gepflogenheiten wie "Siesta" und "essen gibts erst ab 20 Uhr" . Also haben wir mit Snacks überbrückt und uns dann in ein Restaurant begeben. Dies stellte sich dann als Mischung aus Bar, Restaurant und Motel heraus. Lustigerweise war nur ein Spanier der englischen Sprache mächtig, er hat uns netterweise geholfen etwas zum Essen zu bestellen. Da wir immer noch viel zu früh waren (vielleicht auch die Hoffnung der Wirtin uns abzuschrecken, es waren nämlich nur wenige Gäste da, die etwas essen wollten) haben wir uns in ein Eck gesetzt und bei einer Cola das spanische Treiben beobachtet. Man könnte es mit der Kneipe bei uns im Ort vergleichen, nur mit mehr Parkplätzen. Ein reges kommen und gehen, jeder im Ort kannte jeden, die alten Menschen haben immer gedanklich versucht, uns einer Familie im Ort zuzuordnen. Es wurden ein bis zwei Bier getrunken und dann wieder weitergedüst. Ein anderer stimmte lauthals ein (vermutlich) klassisches spanisches Lied an, um kurz danach einfach zu verschwinden. Sehr lustig zu beobachten. Gegen später entwickelte sich die Restaurant-Bar immer mehr zu einem Selbstbedienungsladen. Die Gäste bedienten sich aus den Kühlschränken, einzig die Zapfanlage war tabu. Das essen war mindestens so kurios wie das ganze Etablissement, es gab eine Art gebratener Paprika-Hackfleischrollen mit Spiegelei und Pommes. Gesättigt und belustigt haben wir das Gebäude verlassen und sind wieder zurück zum Stellplatz gelaufen. Der Ort selbst war wie ausgestorben, nur einige Jugendliche sind noch unterwegs gewesen. So haben auch wir uns nach diesem spannenden Tag zur Ruhe gelegt, der nächste sollte nämlich anstrengend für Mensch und vor allem Maschine werden.





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