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Unser Zuhause

  • projektlt28
  • 7. März 2022
  • 5 Min. Lesezeit

Der Umzug von einer großen in eine kleine Wohnung ist für viele schon kein leichtes Unterfangen.


Unsere ist allerdings von knappen 100qm auf 5qm geschrumpft, mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche und sogar einem Raumbad inkl. Toilette.


Und zumindest bis jetzt fehlt es uns an nichts.


Das liegt sicherlich aber an der Tatsache, dass unser VW LT von der Firma Westfalia unglaublich hochwertig ausgebaut wurde. Alles hat seinen Platz, alles ist bis auf den letzten Zentimeter ausgenutzt und doch wirkt der Bus absolut nicht "vollgedrückt". Mit dem Flair der 70er bzw. 80er muss man natürlich leben können, auf uns wirkt der Hell gestaltete in Holz gehaltene Innenraum unglaublich beruhigend. Werden die Vorhänge geschlossen, die Dinette zum großen Loungesofa zusammengeschoben und ein guter Wein geöffnet, vergisst man dank Standheizung und guter Isolierung auch jegliches Unwetter, das den Bus von außen bearbeitet.


Genug vom LT geschwärmt, viele Fragen sich eher: Wie kommt man auf die bescheuerte Idee mit so einem alten Fahrzeug überhaupt zu verreisen.


Wer uns kennt, weiß, dass wir uns sehr intensiv mit älteren Fahrzeugen beschäftigen. Nadine als professionelle Fotografin und eigenem Unternehmen, Tim als leidenschaftlicher Schrauber mit dem Grundgedanken: Warum etwas gutes funktionierendes Verschrotten oder Entsorgen?


So wurde vor ein paar Jahren ein T3 zusammen mit Tims Vater restauriert und zu einem leichten Camper ausgebaut. Natürlich alles zeitgenössisch, das Fahrzeug soll schließlich das H-Kennzeichen erhalten.


Wir haben das Fahrzeug auch gerne benutzt, klein, wendig und doch verhältnismäßig viel Platz. Und dank "größtem" Turbo Diesel mit 69 PS auch spitze motorisiert.


Da wir aber mit dem Wetter irgendwie schon immer Pech hatten (Regen und Schnee standen bei unseren Urlauben an der Tagesordnung) wurde dann der Platz mit Eddy viel zu Eng, ein Labrador benötigt halt auch so seinen Platz. Die fehlende Standheizung wurde uns dann auch zum Verhängnis, und nachdem die Scheiben öfters auch von innen gefroren Waren, kam für uns der Entschluss:


Wenn eine Neuanschaffung ansteht, wird's was, wo man auch mal ein paar Tage darin leben kann bei schlechtem Wetter.


Wir haben weiter bei den T3 Variationen geschaut, bei den Preisen wurde uns damals aber schon leicht anders. Ein T3 mit festem Hochdach, Campingausstattung von Westfalia und dem benannten Turbo Motor fing meist erst bei knappen 15000 Euro an bei vernünftigem Zustand. Absolut verrückt.


Zufällig sind wir da über den großen Bruder vom T3 gestolpert, den Lastentransporter auch bekannt als

VW LT.


Die Technik das gleiche, die Motoren genauso zuverlässig wie die des T3, alles nur eine Spur größer: 6 Zylinder Diesel anstelle 4 Zylindern, das Fahrzeug knappe 30 cm breiter, 40 cm länger, und natürlich entsprechend schwerer.

Was unser T3 als Maximalzuladung darstellen darf nämlich 2500 kg, wiegt unser LT bereits "leer".


Also ging die Recherche los und siehe da: Viele VW LT's auf dem Markt, teilweise als Alkoven Wohnmobil mit 6,5 Metern länge (Karmann Distance Wide) oder Hochdach Kastenwägen (Westfalia Sven Hedin bzw, Florida). Die Preise gehen auch hier weit auseinander, Schrott für 2500 Euro oder die Floridas in gutem Zustand ab 14000 Euro.


Alkoven Wohnmobile waren uns schon immer zu groß, wir mögen es doch noch etwas unauffälliger und haben uns entsprechend für einen Sven Heidin entschieden. Und haben diese Entscheidung nicht bereut. Selbst bei den miesen Wetterlagen, bei denen wir bis jetzt unterwegs waren.


Anfangs erstaunt über die unglaublich schlechten Fahreigenschaften (kleine Hügel mit knappen 40 kmh, Lautstärke im Innenraum extrem) haben wir uns allerdings ziemlich schnell mit dem "langsamen" Reisen abgefunden. Nachdem ein halbes Jahr voller Arbeit vorbeiflog, wurde der LT dank einem ausgedehnten Service auch plötzlich schneller, viele alte Technik (Standheizung, Kühlschrank und Boiler) wurden durch Neuteile Ersetzt, die Leistungsstärker und vor allem leichter waren. Dazu noch etwas Feinschliff am Motor , am Fahrwerk und an den Bremsen.


Plötzlich fuhr das Fahrzeug die gleichen Steigungen mit 60 kmh und die Lautstärke im Innenraum wurde von "Ohrenbetäubend" auf "Erträglich" reduziert.


Mit seinen 75 PS starken Motor (der übrigens zwischen Fahrer und Beifahrer sitzt) und 3 Tonnen im geladenen Zustand schaffen wir es jetzt locker mit den LKW's mitzuhalten und bei Bedarf auch zu überholen. Mehr als 100 kmh sind möglich aber nicht zu empfehlen. Die Reisegeschwindigkeit liegt bei etwas über 90 kmh, der Verbrauch trotz 3 Metern Höhe bei "nur" 12-13 Litern Diesel.


Unsere Wohnung auf Rädern bietet vieles, das heutige 2+2 Wohnmobile bzw. Kastenwägen mit Hochdach auf knappen 5 Metern nicht mehr schaffen. Tim mit seinen 1,96 Metern kann im Wohnbereich, der 2,12 Innenhöhe bietet, locker stehen und sich dort bewegen. Ist das Bett aufgebaut (1,50 auf 2,00 Meter) kann man darunter noch bequem in der Dinette sitzen und ein Buch lesen, mit guter Beleuchtung und ohne den anderen zu stören. Die Dinette kann noch zu einem zusätzlichen Bett mit 1,96 x 1,38 oder zum entspannten Lounge-Sofa umgebaut werden, auf dem auch 2 Menschen mit Hund gemütlich Platz finden.







Im Heckbereich die Küche mit 1,87m Raumhöhe, und das Bad mit 1,95m Höhe alles

unproblematisch. Duschen ist gemütlich möglich, für warmes Wasser sorgt der Boiler und mit 100 Litern Frischwasser kommt man so an die 4 Tage wenn man sparsam duscht. Das kleine Chemie-Klo muss nach ca. 4 Tagen bereits geleert werden also ist wochenlanges frei stehen nur bedingt möglich. Unser LT hat ewig viele Stauschränke, die einem größtenteils nicht im Weg hängen sondern funktional und groß an den Seiten angebracht sind. Dadurch hat man kaum Anstoßkanten und kriegt unglaubliche Mengen an Zeug rein!


Trotz allem Platz haben wir uns für das Sperrige Außengelumpe wie z.B. Stühle, Tische und Grill für die Dachbox entschieden, die per Heckleiter erreichbar ist. Wenn man das eine Aufbaut, braucht man meist auch das andere und kann dann quasi die Dachbox komplett Leerräumen. In normalen Urlauben fahren bei uns die Stühle im Bad mit, der Tisch in der Sitzkiste. Dort befindet sich jetzt Eddy's Futtervorrat.


Selbst an die üblichen Verdächtigen des Campings wurde gedacht, Stromkabel und Frischwasserschlauch. Dafür wurde extra bei der Schiebetür ein "Geheimfach" eingebaut. So sind sie immer Einsatzbereit und trotzdem aufgeräumt.


Das Fazit zu unserem LT: Dieses Fahrzeug wurde von Wohnmobilfahrern für Wohnmobilfahrer konstruiert und gebaut.

Auch heute sind viele erfahrene Camper immer noch begeistert und schwärmen von vergangenen Zeiten und wollen oft nochmal in unsere rollende Zeitkapsel schauen. Auf fast jedem Stellplatz werden wir in Gespräche verwickelt und dürfen uns die Geschichten vergangener toller Reisen anhören, inklusive dem einen oder anderen Reise-Geheimtipp.


Und sollte man doch einmal liegen bleiben, kann Tim es selbst reparieren oder der nächste (zur Not) Traktormechaniker kriegt die einfache Technik wieder zum Laufen.


Einziges Problem, das diese Fahrzeuge häufig plagt ist Rost. Wir haben unseren Bus bewusst Rosten lassen, so weckt er weniger Begehrlichkeiten und wird uns hoffentlich nicht geklaut. (Bei guten T3 Campern leider an der Tagesordnung)

Aber nach unserem halben Jahr werden wir uns auch um das Thema Rost noch intensiv kümmern.



 
 
 

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