Ein dunkles Kapitel der Menschheit
- projektlt28
- 18. März 2022
- 2 Min. Lesezeit

Die letzten Tage waren wir auf der Suche nach den gebliebenen Spuren des Atlantikwalls. Der Atlantikwall, das "Bollwerk" zur Abwehr der Feinde des deutschen Reichs, erstreckte sich von Nordspanien bis kurz vor das Nordkap. Entlang der Atlantikküste in Frankreich stehen aktuell noch die meisten Bunkeranlagen, teils begehbar, teils umfunktioniert zu Regierungsgebäuden oder dem zivilen Nutzen zugeführt. Da die Bunker unglaublich massiv gebaut wurden, wäre ihre Entsorgung viel zu kostenaufwändig. Bestes Beispiel sind die U-Boot-Bunker in La Rochelle. Leider sind diese für Zivilisten nicht zugänglich, Tim hätte zu gerne einen Blick hinein geworfen, doch die Bunker sind auch aus der Ferne unglaublich eindrucksvolle Gebäude.
Wir waren auch am Strandabschnitt Omaha Beach, an dem ein Teil der Alliierten 1944 angelandet sind. Unglaublich welch Aura an diesem Ort herrscht und wie viele Soldaten an diesen Tagen dort ihr leben gelassen haben, auf Seiten der Achsenmächte wie auch auf Seiten der Alliierten. Dank Ebbe konnte man sich vom Strand aus einen ähnlichen Eindruck wie die Amerikanischen Soldaten damals verschaffen, eindeutig ein Gänsehaut-Moment.

Davor hatten wir noch einen deutschen Soldatenfriedhof besucht, auf dem an die 22.000 deutsche Soldaten beerdigt wurden. Wenn man bedenkt, dass an die 140.000 Soldaten nur auf deutscher Seite bei der "Verteidigung" des Westwalls verstorben sind, ist es nur schwierig vorzustellen, wie es Menschen geben kann, die den Krieg gut heißen. Viele der dort begrabenen Soldaten waren Mitte Zwanzig oder sogar noch jünger. Was sich Menschen unter der Führung totalitärer Regime gegenseitig antun ist erschreckend und deshalb finden wir gut, dass uns die Bunker teilweise erhalten werden und zwar als Mahnmale dieses grausamen Krieges.
Auch die Stellungen der deutschen Soldaten haben wir aufgesucht. Nur wenige Küstenbunker, so genannte "Widerstandsnester", werden gepflegt oder erhalten, das Meer nagt extrem an den massiven Betonbauwerken. Somit sind die meisten entweder unzugänglich gemacht worden oder massiv eingezäunt. Wer aber etwas an den Zäunen entlang wandert erkennt schnell Schlupflöcher in den Zäunen. Wer es etwas offizieller mag, in Pont-de-Hoc findet man einige erhaltene Geschützstellungen, die dem massiven Bombardement der Alliierten standgehalten hatten. Der Eintritt ist frei und entlang der ganzen Landungsküste sind zahlreiche Museen wie auch die einzelnen Anlandungszonen bestens beschildert. Auch sind unterwegs noch mehr "Widerstandsnester" zu finden.

Nachdem wir genug der düsteren Orte erforscht haben, sind wir auf der wunderschönen Insel Ile de Re gelandet, die vor La Rochelle liegt. Ein wunderschönes Stück Land, umgeben vom Atlantik. Die Insel bestehlt wohl scheinbar fast nur aus aktuell leeren Ferienwohnungen und Sandstrand, wir sind quasi im Touristengebiet schlechthin gelandet, nur ohne massenweise Touristen. Einige Franzosen haben sich zu uns auf den Stellplatz gesellt, direkt hinter der Düne brechen große Wellen an einen wunderschönen Sandstrand. Jetzt noch 10 Grad mehr und man könnte an ein kurzes Baden im Atlantik denken, aktuell haben wir "nur" 15 Grad, aber Sonnenschein. Über die Wassertemperatur möchte man gar nicht nachdenken, selbst unsere "Wasserratte" Eddy ist maximal 20 Minuten im Wasser. Nachdem wir etwas kuriose geschmacklose Französische Würste mit leckeren Bratkartoffeln gemacht haben, sitzen wir jetzt bei einem Glas Sauvignon im Bus und werden wahrscheinlich hier etwas länger Rast machen.




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